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Selbstliebe

ist eines der wichtigsten Dinge, für neue Energie, und eines der missverständlichsten.

 

Es ist etwas anrüchig, Ego-ismus, auf sich selbst bezogen sein, soll es doch viel besser sein sich um andere zu kümmern. Haben wir gelernt und manche Institutionen halten das heute noch hoch.

Manche denken bei Selbstliebe daran, dass nur ich zähle, dass ich auf Kosten von anderen Meines durchsetze, dass ich rücksichtslos bin.

Weit gefehlt.

Das alles hat nichts mit Selbstliebe zu tun. Ich sehe in so einem Denken eher Minderwertigkeitsgefühle. Doch was ist Selbstliebe ?

 

Selbstliebe ist bedingungslose Liebe zu mir selbst und damit auch Vertrauen. Liebe. Kein – hallo ich komme zuerst – und damit die Ellenbogen benutzen.

Sich selbst lieben. Mit mir selbst liebevoll umgehen. Mich selbst achten. Achtsam sein mit mir selbst.

Dazu reicht es nicht, dass ich einfach sage, gut, ich liebe mich selbst. Es zu denken ist nicht das Maß, sondern es als wahr zu fühlen.

In wie weit liebe ich mich ? Wie weit nehme ich mich an, und zwar so wie ich bin ? Kann ich meinen Körper genau so, wie er ist, lieben, achten, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran, ich möchte ihn anders haben ? Bei wem ist er so wie er sein „sollte“?

Wer legt denn überhaupt fest, wie er sein sollte ? Wie schlank, wie jugendlich, wie vital, wie sportlich, wie gesund ?

Kann ich mich so annehmen wie ich in diesem Moment bin ? Mit allen meinen "Unzulänglichkeiten" ? Kann ich meinen Körper lieben, annehmen ohne ihn ändern zu wollen, obwohl ich gerade 20 Pfund zuviel wiege? Kann ich meinen Körper annehmen so wie er ist, obwohl ich gerade Schmerzen habe ? Obwohl ich nicht so fit bin wie ich vermeintlich sein sollte ? Kann ich mich selbst mit den liebevollsten Augen betrachten, die mir möglich sind? Auch wenn ich nicht ins allgemeine Schema passe ? Kann ich das ? Kann ich dann sagen: okay, ich liebe mich so wie ich bin, genau so, weil ich mich so erschaffen habe?

Wer sollte uns das denn sagen wenn wir es selbst nicht fertig bringen?

Doch das ist nur ein Teil der Selbstliebe. Wie sieht es mit meinem „Charakter“ aus? Bin ich so wie sein will oder sein soll ? Bin ich so klug, so smart, so souverän, so liebenswert, so lustig, so charmant, so nett, so freundlich, so tatkräftig ..und - und – und – die Liste ist endlos.

Vor allem aber: wer sagt denn wie ich sein soll ?

Und wer, bitteschön, sollte all diesen Parametern entsprechen? Geht das überhaupt?

Nein. Derartiges ist nicht möglich, und wenn ich versuche all das zu sein ist Unzufriedenheit und Niedergeschlagenheit vorprogrammiert. Es ist unmöglich. Und es ist vollkommen unnötig.

Warum glauben wir den Kirchen, den Chefs, den Freunden, den Eltern oder Kollegen, den Partnern oder wem auch immer, die uns sagen, wie wir sein sollten? Es ist deren Meinung, aber muss es deshalb meine sein? Wo steht denn, dass ich all dem entsprechen müsste? Und vor allem: das ist keine Selbstliebe, DAS ist sich selbst verachten. Ich stelle die Meinung eines anderen über meine eigene. Ich erlaube mir nicht, zu sein, wie ich bin, sondern ich versuche den Wünschen anderer zu entsprechen, und wundere mich, wenn das nicht geht, wenn ich scheitere.

Es gibt de facto keine solchen Vorgaben, nicht von Gott jedenfalls. Denn jeder ist einzigartig und jeder ist geliebt so wie er ist. Das ist etwas was ich nie verstanden habe: Wie können Religionen sagen, Gott liebt, er verzeiht alles, und im selben Moment Vorgaben machen, wie wir sein sollten, Bedingungen stellen, die zu erfüllen sind ? Das passt doch überhaupt nicht zusammen.

Liebe liebt. Liebe urteilt nicht. Wenn es ein Urteilen gibt, ist da keine Liebe, denn Liebe nimmt alles an ohne es zu bewerten. Liebe betrachtet alles mit liebevollen Augen, und da ist kein richtig und falsch.

Selbstliebe ist auch, mich frei zu machen von all den Ansprüchen an mich, und die sind in der Regel weit höher, als wir sie an andere haben. Anderen verzeihen wir schneller als uns selbst, meistens.

Doch wenn ich an mich selbst Ansprüche habe, wie ich sein sollte, wie ich mich verhalten sollte, was ich alles tun sollte oder was ich auch nicht tun sollte – all das ist keine Selbstliebe.

Selbstliebe ist, mich selbst mit dem allergrößten Mitgefühl zu betrachten, alles an mir. Selbstliebe ist, mich anzunehmen, vollkommen, so wie ich bin. Mit jedem Pölsterchen, mit jeder Falte, mit jeder vermeintlichen Unzulänglichkeit. Selbstliebe ist, mich zu achten, mich selbst wertvoll zu finden, mich zu schätzen selbst wenn ich keinen Cent mehr in der Tasche habe. Einfach dafür, das ich hier bin, in dieser Erfahrung.

Es gibt keine richtigen oder falschen Erfahrungen, es IST alles, und es ist so wie es ist, in Ordnung.

 

 

Und das wichtigste ist, bzw. Wahrheit wird es, wenn ich es als wahr FÜHLE. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum dass wahr ist, was wir denken. Doch denken ist der Verstand, und der erschafft keine Realität. Die erschaffen wir mit unserem Fühlen, deshalb passt so oft nicht zusammen was wir wollen und was geschieht. Also sollten wir anschauen was wir fühlen, zum Beispiel eben, was fühle ich mich betreffend ? Fühle ich mich in Ordnung so oder nicht ? Fühle ich mich unzulänglich, fühle ich mich mickrig, fühle ich mich „falsch“ ? Und wenn es so ist, dann kann ich mich mit meinem Mitgefühl anschauen, mit liebevollen Augen, mit Güte, wie immer man es ausdrücken will. Dann kann ich mich annehmen, genau so wie ich bin. Warum sollte ich mich selbst be- oder verurteilen? Wem dient das ? Davon hat doch keiner was, und doch wird es so oft gemacht. Da sagt jemand von sich „ich habe viele Fehler gemacht“ oder „ich bin schlecht“, doch wer sollte das beurteilen ? In jeder Kultur, in jeder Religion sind andere Maßstäbe, es gibt nichts allgemein Gültiges.

Und niemals wird es das geben. Es wandelt sich dauernd.

Also warum sind so viele bestrebt, dem was als Ideal gilt, zu entsprechen ? Weil sie gefallen wollen, weil sie anerkannt werden wollen, letztlich weil sie die Aufmerksamkeit von anderen haben wollen. Und dieses „haben wollen“ hat einen handfesten Hintergrund: es geht um die Energie von anderen. Es geht darum, die Energien von anderen zu bekommen, eben als Aufmerksamkeit, als Achtung, als Bewunderung, als geliebt werden wollen. Doch das brauche ich dann, wenn ich mich selbst nicht achte, mir selbst gegenüber nicht liebevoll bin. Ich lebe dann von der Nahrung der anderen, und ich werde vieles tun, sie zu bekommen.

Wenn ich mich selbst liebe, wenn ich mich nicht mehr be- oder verurteile, wenn ich mich selbst annehme, dann brauche ich keine Energie von anderen. Das alleine schon sollte für uns Grund genug sein, uns selbst zu lieben. Denn jede Energie von einem anderen muss ich ihm irgendwann zurück geben, ich kann sie nicht behalten. So einfach ist das.

 

Wir haben alles in uns, doch so lange wir uns nach Außen orientieren werden wir es nicht finden. Es braucht die Aufmerksamkeit mir selbst gegenüber. Achtsamkeit, Gnade, Mitgefühl, bedingungslose Liebe. Wenn ich es mir selbst nicht geben kann, wie sollte ich es anderen geben ? Oder anders: ich kann das alles anderen entgegen bringen, wenn ich es zuerst mir selbst schenke.

 

Selbstliebe.